| Predigt Gründonnerstag 09.04.2020 Liebe Schwestern und Brüder, als ich heute früh mit meinem Radl zum Broteinkaufen gefahren bin, hätte ich nie gedacht, dass dabei meine Predigt für diesen Abend entstehen würde. Zwei Tatsachen sind dabei zusammengekommen: Mein Geist und meine Aufmerksamkeit galten schon ganz dieser wichtigen Liturgie, die wir jetzt feiern und was ich all denen sagen möchte, die Gott mir in den Gemeinden von Rosenkranzkönigin und St. Bruder Klaus anvertraut hat. Und: Die Corona-Pandemie, die der ganzen Welt seit Wochen eine ganz eigene und neue Gangart diktiert: Es dürfen nur die Geschäfte geöffnet haben, die lebenswichtige und lebenserhaltende Lebensmittel oder Produkte verkaufen. Zum Beispiel Bäckereien. So fuhr ich also zu "meiner" Bäckerei und erschrak erst einmal, da die Schlange der Wartenden (7 Personen) sehr lang war: ausgerechnet mit dem Faktor des gebotenen Abstandes: 14 Meter. Subjektiv kam die mir vor wie eine Stadionlänge. Also hatte ich viel Zeit, über meine Predigt nachzudenken. Und da kam es mir: Die Bäckereien dürfen also geöffnet haben – sie verkaufen Lebensmittel: Brot Doch: Die Kirchen müssen während des Gottesdienstes zugesperrt bleiben. Außer einer "Mini"-Gruppe (7 Personen: Mesner, Kantor, Organist, Lektor, Ministrantinnen) darf niemand anwesend sein. Das Brot, das Jesus heute gibt, ist er selbst. Das Brot des Lebens. Von dem er selbst sagt: Wer davon isst, wird in Ewigkeit leben. Jesus hat sich – wie der Weizen – aufreiben lassen, und wurde am Holz des Kreuzes in der Gluthitze von Golgotha gebacken. Das hat er für uns getan! Damit wir endlich verstehen, wie sehr uns Gott liebt. Und er hat uns ein Lebensmittel gegeben, das zum Lebensmittelpunkt geworden ist: Das Gedächtnismahl, in dem wir Brot und Wein nehmen und Jesus darüber spricht: Das ist mein Leib und mein Blut. Für Euch wurde der Leib zerbrochen und für Euch habe ich mein Blut vergossen!
Auch wenn uns viel drückt und zu zerdrücken droht, wie in dieser Zeit, wir brauchen nicht daran zerbrechen. Und Blut muss auch nicht vergossen werden, um Brot zu haben. Ich stand also in der Warteschlange und dachte mir: Ja, das Brot vom Bäcker ist lebenswichtig! Und das Brot, das wir aus der Hand Jesu empfangen? Ich behaupte einfach ´mal so: Es ist noch wichtiger, weil es uns ewiges Leben verspricht. Leben in der Gegenwart Gottes. Ein Leben, das uns versichert, dass es nichts auf dieser Welt gibt, das uns von der Liebe Gottes trennen könnte. Diese Liebe trägt uns und macht uns stark, schwere Zeiten auszuhalten und in Glaube, Hoffnung und Liebe durchzuhalten. ES SCHMERZT MICH SEHR, DASS VIELE DIESES BROT NICHT EMPFANGEN DÜRFEN! Ich bin überzeugt, dass auch dafür die Gläubigen vor der Kirche in der Schlange warten würden, natürlich mit dem gebotenen Abstand und Anstand, den das Brot des Lebens, der Leib Christi, gebietet. Aber dann, wenn wir wieder beisammen sind, feiern wir das Fest des ewigen Lebens wieder gemeinsam! |



