Frühschicht 19.12.2000, 6:15 Uhr Thema: Was heißt leben? Blaue
Mappe, Nummer 124 "Wo das Reden Mut verlangt" Leben, das heißt: · Schön sein · Reich sein · "Es zu was bringen" · Soviel wie möglich rausholen" · "in" sein · Immer schneller, höher, weiter Heißt das leben? Was heißt leben? Mit diesem Thema möchten wir uns heute früh beschäftigen. Was heißt leben? Heißt es tatsächlich "so viel wie möglich rausholen" oder heißt es etwas anderes. "Was heißt leben" hat meiner Meinung nach immer etwas persönliches, etwas das ich selbst beeinflussen kann an sich. Es ist mein Lebensstil, der für mich die Frage "Was heißt leben?" beantworten soll. So, wie ich mit meinem Leben und dem Leben meiner Mitmenschen, Tiere und Pflanzen umgehe, kann ich auch diese Frage beantworten: "Was heißt für mich leben?" Denken wir einen Augenblick über dieses Thema nach. Folgende Fragen können uns vielleicht helfen: (leise Musik im Hintergrund)
Blaue
Mappe, Nummer 128 " In Ängsten die Einen und die Andern leben" Wir merken vielleicht jetzt etwas bewusster, dass wir nicht geboren werden und einfach so leben, sondern dass leben ein Reifungsprozess ist, der immer weiter geht, bis ins hohe Alter. Ständig bekommen wir neue Eindrücke von leben und glücklich sein, die wir in unser Leben einfließen lassen. Reich am Leben zu sein, wie es im Anfangstext hieß, geht nicht schnell, sondern ist eine langwierige Prozedur, wie uns folgende Geschichte erzählen will: Alles
Kostbare braucht seine Zeit (Kurzgeschichten 3, Nummer 195) Ein armer Holzfäller geht Tag für Tag in den Wald, um Holz zu sammeln. Wenn er sehr fleißig ist, schafft er bis zum Abend drei Bund. Die kann er für einen Preis verkaufen, der für drei kleine Brote reicht: eins für seine Frau, eins für seinen Sohn und eins für ihn. Jahrelang fristen die drei Menschen so ihr Leben in Kargheit und Genügsamkeit. Eines Tages ist ihm die Arbeit schneller von der Hand gegangen als sonst. Er ist früher fertig geworden als üblich. So zieht er seine Flöte aus der Tasche und beginnt auf ihr liebliche Melodien zu spielen. Kurz darauf kriecht eine Giftschlange aus ihrem Bau heraus und bewegt sich nach der gespielten Weise. Als der Flötenspieler ermüdet, schlüpft die Schlange wieder in ihren Bau zurück. Sie schiebt ein Goldstück heraus, das der Holzfäller gern an sich nimmt. Freudig kommt er nach Hause, verkauft sein Holz und kauft für das Goldstück noch mancherlei, das gerade im Haus nötig ist. Von nun an spielt der Holzfäller jeden Tag nach der Arbeit der Schlange zum Tanze auf, und täglich erhält er ein Goldstück. Unversehens wird er wohlhabend: Schafe und Lasttiere und sogar ein Kaufhaus schafft er sich an. Täglich geht er noch immer in den Wald, nun nur noch um der Schlange aufzuspielen; denn Holzbündel verkauft er schon lange nicht mehr. Eines Tages muss er nun des Geschäftes willen in eine andere Stadt reisen. Da ruft er seinen Sohn herbei und trägt ihm auf, ihn eine Zeitlang zu vertreten und der Schlange zum Tanze aufzuspielen. Der nimmt den väterlichen Auftrag an und erhält ebenfalls sein Goldstück von der Schlange. Am nächsten Tag aber hat er eine große Idee: Er beschließt, die Schlange während ihres Tanzes mit einem Stein zu töten und danach den Bau aufzugraben und den gesamten Schatz auf einmal nach Hause zu transportieren. Diesen Plan hält er für klug. Zielstrebig geht er an die Ausführung heran. Allein der Stein tötet die Schlange nicht. Er verletzt sie nur schwer. Die Schlange schnellt auf den jungen Mann zu und bringt ihm einen tödlichen Biss bei. Am nächsten Tag findet der Vater seinen Sohn tot vor dem Bau der Schlange. Gleichwohl nimmt er die Flöte und spielt der Schlange zum Tanze auf. Die Schlange tanzt, bis sie müde geworden ist. Dann gibt sie ihm wieder ein Goldstück und sagt ihm: "Komme von nun an nicht mehr. Wir können jetzt nicht mehr so unbefangen einander zugetan sein. Meine schwere Verletzung und dein toter Sohn stehen nun zwischen uns. Gehe heim in Frieden!" << kurze Stille >> Blaue
Mappe , Nummer 132 "Selig seid ihr" Ich hoffe, ihr könnt die Geschichte in euer Leben übertragen: Alles braucht seine Zeit, um zu wachsen, auch das Leben selbst und nichts ist vollkommen. Ständig werden sich Gegebenheiten ändern, nichts bleibt immer beim Alten. Es gibt immer Gründe sein Leben zu hinterfragen, zu prüfen und immer wieder zu den Wurzeln zurückzukehren und diese zu bedenken und zu pflegen, jedoch nie sie ganz abzuschneiden oder zu töten. Mit Geduld und auch Arbeit an sich selbst kommt jeder im Leben weiter. Hören wir uns dazu eine kurze Bibelstelle aus dem Johannesevangelium: Johannes
6,32-35: Jesus sagte zu ihnen: Jesus Christus spricht vom "Brot des Lebens", das er selbst ist. Besonders zur Weihnachtszeit ist es immer üblich für Arme in den ärmeren Regionen unserer Erde zu sammeln, damit sie auch etwas zu essen haben. Doch Jesus geht mit seinen Worten weiter. Vielmehr hat er mit seinen Worten nicht nur die körperliche, sondern auch die geistige und seelische Nahrung gemeint. Wie wir jedoch den Weg zum "Brot des Lebens" finden, das bleibt jedem selbst überlassen. Einige Richtlinien hat uns Jesus Christus vorgelebt. Beten wir gemeinsam das Gebet des Herrn, das uns an viele seiner Lebensrichtlinien erinnern soll. Vater
Unser Ich glaube, leben heißt mehr als all das. Ich glaube, leben heißt · Klein sein und groß · In sich gehen und sich öffnen · Weinen und lachen · Lieben und streiten · Schenken und annehmen · Tanzen und straucheln · Gelingen und scheitern · Wagen und zögern · Mutig sein und Angst haben · Feiern und arbeiten · Träumen und von der Realität wachgerüttelt werden · Verändern und erstarren · Festhalten und loslassen Das heißt leben! Leben heißt, rausfinden, was mein’s ist Segen
(Uli?) Blaue
Mappe, Nummer 129 "Gott gab uns Atem" |



