| "Schweigend predigen" - ein Paradoxon? Auf den ersten Blick scheint ein Leitwort der Eremiten, "Schweigend predigen", widersprüchlich zu sein, denn Predigen besteht hauptsächlich aus vielen Worten, manchmal auch aus zu vielen Worten . Als Nicht-Eremit möchte ich versuchen, etwas über die Bedeutung des Schweigens, das ich bei meinen Aufenthalten im Kloster Schweiklberg schätzen gelernt habe, zu sagen. Ein heiliges Schweigen findet sich nicht nur in Klöstern und bei Eremiten, sondern auch in vielen nichtchristlichen Religionen als eine Zeit des Innehaltens und um Gott nahe zu sein. Das Schweigen wird in der Bibel in Bezug zu Gott gesetzt. Beim Propheten Habakuk heißt es: "Der Herr aber wohnt in seinem heiligen Tempel, alle Welt schweige in seiner Gegenwart." (Hab 2,20) Das Spüren der Gegenwart Gottes führt zum Schweigen. Aber das Schweigen hat nicht nur mit Gott zu tun. Das alte Mönchtum hat die entscheidende Bedeutung des Schweigens als Mittel der inneren Sammlung erkannt. Spätere Orden wie die Kartäuser und Trappisten führten ein ständiges Schweigen ein. Schweigen als verinnerlichende Übung ist bei Exerzitien und Einkehrtagen üblich und ist dort fester Bestandteil. Das Schweigen dient auch der inneren Sammlung. Das Schweigen führt weiter zum inneren Gebet und zur wortlosen Betrachtung vor Gott. Schweigen ist eine Grundhaltung vor Gott und bildet eine wachsende innere Bereitung Der heilige Nikolaus von der Flüe war Eremit und Mystiker und er hat in diesem Sinne "schweigend gepredigt". Vielleicht ist dies auch ein Ansporn für uns, im Alltag bewusste Zeiten des Schweigens einzulegen, um für das Wesentliche im Leben offen zu werden und auf eine andere Weise Gott zu begegnen.
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