"... Friede auf Erden den Menschen seiner Gnade."
Liebe Mitglieder des Pfarrverbands,
ist der Friede auf Erden, von dem im Weihnachtsevangelium die Rede ist, nur ein frommer Wunsch oder ein schönes Märchen? Dagegen steht das Kind in der Krippe von Bethlehem. Es zeigt an, dass dieser Friede nicht für eine Märchenwelt bestimmt ist, sondern für unsere Erde, die uns am Frieden immer wieder zweifeln lässt. Dieses Kind wird in eine Welt hineingeboren, in der Kinder immer noch das schwächste Glied in der Kette der Gesellschaft sind oder gar Opfer von Missbrauch und Gewalt wurden.
In dieser Welt soll es Frieden werden, nicht in einer Märchenwelt . Dafür ist das Kind von Bethlehem das Zeichen. Es verbietet uns, aus dem "Frieden auf Erden" einen schönen Traum zu machen, dem man am Heiligen Abend nachhängen kann, der aber am anderen Tag schon wieder verflogen ist.
Aber wie sieht er aus, dieser Friede? Er fängt anders an, als man ihn sich vordergründig vorstellt. Er beginnt nicht mit dem Friedensappell einer Regierung oder einer feierlichen Friedenskonferenz der Vereinten Nationen.
Der Friede auf Erden fängt - fast möchte man sagen: beängstigend - unscheinbar an. Vielleicht liegt aber gerade darin seine Chance. Es wird nicht einmal an unseren guten Willen, Frieden zu machen, appelliert. Auch die Hirten, denen die Weihnachtsbotschaft zuerst mitgeteilt wurde, müssen nicht erst ihre Friedensbereitschaft unter Beweis stellen.
Vielmehr führt der Weg dieser Hirten zuerst zu jenem Kind in der Krippe. Mit ihm fängt der Friede an. An ihm hängt er. Man kann den Frieden nicht einfach anordnen; man kann zwar befehlen: Ab heute ist Friede! Aber es wird kein wirklicher Friede sein, außer vielleicht, dass die Waffen schweigen.
Da liegt unsere Schwierigkeit. Erzwungener Friede schafft oft neue Spannungen. Wir brauchen einen Grund, auf dem Feindseligkeit, Neid und Hassgefühle aufgehoben und überwunden werden. Nur darauf kann der Friede wachsen.
Diesen Grund schafft das Kind von Bethlehem, der von Gott gesandte Heilsbringer. Er erzwingt nichts, er nimmt nichts, sondern gibt alles, indem er zu jedem Menschen Ja sagt, ihn vorbehaltlos liebt - bis in die letzte Konsequenz! So sieht wahrer Friede aus...
Ein gesegnetes Weihnachtsfest!
Ihr Pfarrvikar Johannes Kanzler
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